MILAN SVOBODA
Composer,
conductor, band leader, jazz pianist
Reviews:
Ahlen (D), Las Tapas, 24.11.2011, MSQ
Die Glocke - Ahlen, 26. November 2011
Publikum in Las Tapas verneigt sich vor
den
Jazz-Muzikern
Ahlen (at). Furioser
hätte der Auftakt kaum sein können.
Gleich zu Beginn machten die vier Herren aus Prag am Donnerstag in
Ahlen deutlich, wohin die musikalische Reise gehen wird. Kaum waren die
zahlreichen Jazzfreunde im Las Tapas mit „Next Day“ eingegroovt, da
legte das Milan-Svoboda-Quartett mit der Fusion-Nummer „Bluff“ nach und
beschwor den heissen Funk der 1960er- und 1970er-Jahre, ehe die
melancholische Ballade „Autumn“ den Puls beruhigte und zehn Minuten
Zeit zum Durchschnaufen liess.
All diese Titel stammen vom Namensgeber des
Quartetts. Milan Svoboda, 1951 in Prag geboren, zählt zu den ganz
grossen tschechischen Jazzpianisten mit internationalem Renommee. Genau
wie er haben auch seine drei Mitstreiter ein fundiertes klassisches
Musikstudium absolviert. Milan Krajic (Saxophon), Filip Spaleny (Bass)
und Ivan Audes (Schlagzeug) verstehen es meisterlich, den spannenden
Silmix aus Modern Jazz und Meinstream homogen zu inszenieren. Das
Ensemble ist so perfekt eingespielt, dass es selbst trickreiche
Rhythmen uns Metren in entspannter Souveränität exakt und
präzise angeht. Dazu passt die leicht zurückgelehnte
Sitzhaltung Milan Svobodas, die auch bei den temporeichsten
Keyboard-Kaskaden wie in „Hot Coffee“ von eleganter Lässigkeit
zeugt.
Kein Zweifel, bei diesem Quartett handelt es
sich um eine Ausnahmeformation. Wer so unterschiedliche Facetten des
Jazz letztendlich in den klassischen Swing zu integrieren weiss, der
bereichert das gesamte Genre um höchst innovative Nuancen. Und
wann hat man schon mal die Gelegenheit, eine Reggae-angehauchte Version
des Standard-Dauerbrenners „Body & Soul“ zu hören?
Ähnlich originell nimmt sich Eigenkomposition „Conversation“ aus,
eine Art Jazzwalzer, den Schlagzeuger Ivan Audes in unnachahmlicher
Manier geradezu zerlegt und neu zusammenfügt. Die fulminanten Soli
von Milan Krajic und Filip Spaleny sind ein zusätziches Geschenk.
Mit „Moment´s Notice“ verneigt sich Milan Svoboda vor der
Jazz-Ikone John Coltrane. Das Publikum in Las Tapas verneigte sich vor
dem Milan Svoboda Quartett und das völlig zu Recht.
Dieses war der dritte Streich von „Get Jazzed“
nach Greg Gaynair und Ondrej Stveracek. Auf den vierten müssen die
Jazzfreunde allerdings bis zum 29. März 2012 warten. Dann kommt
mit Sub.Vision ein weiteres Jazzhighlight in die Wersestadt.
Rudolf Gieser