MILAN SVOBODA Composer,
conductor, band leader, jazz pianist
Concert
reviews:
Festival Jazz Weekend Regensburg
10.7.2010
Milan Svoboda Quartet
Durch expressive Täler und
auf sehnsuchtsvolle Höhen. Das Milan Svoboda Quartet tischte
seinem aufmerksamen Publikum schwere Kost auf.
Von Michael Scheiner, MZ (Mittelbayerische Zeitung, 11.7.2010) http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10496&pk=568791
„Eine kleine Pause“ – fünf Minuten zeigte Bandleader Milan Svoboda
dem hitzeresistenten Publikum unter den Sonnenschirmen am Bismarckplatz
– möge man ihnen gönnen. Allerdings hätte die Frage auch
lauten können, ob nicht die aufmerksamen Zuhörer eine solche
verdient hatten. Immerhin waren die Originalarrangements, aufgetischt
vom Quartett des tschechischen Pianisten, alles andere als leichte
Kost. Vor der Pause spielte das „Milan Svoboda Quartet“ eine
dreiteilige Suite namens „Bat Dancing“, die sich durch lange
Improvisationsteile, wechselnde Stimmungen und unerwartete Tempi- und
Rhythmuswechsel auf immerhin fast eine Dreiviertelstunde ausweitete. Hart arbeitender Tonkünstler.
In der Pause saßen die Musiker zwischen den Säulen des
Präsidialpalais auf Kisten, um auszuruhen. Svoboda dagegen war
über ein Blatt Papier gebeugt und machte Notizen für den
Auftritt seiner Prague Big Band, mit der er am selben Abend am
Haidplatz auftrat. Der tschechische Musiker, Komponist, Pianist,
Arrangeur und Dirigent in einem, ist ein Arbeitstier. 2011 wird der
umtriebige Tonkünstler 60 Jahre alt, mal hören und sehen, was
er dazu auf die Beine stellt.
Musikalisch ließ sich Svoboda noch nie einer Stilrichtung
zuordnen. Seit Beginn seiner Karriere hat er aktuelle stilistische
Entwicklungen vom Elektrik-Jazz eines Miles Davis und Chick Corea,
über Fusion, Jazzrock und des Modern Jazz mit Elementen aus der
europäischen Klassik, der Romantik und der Folklore verknüpft
und zu einem erkennbar eigenwilligen Klangerlebnis verwoben.
Kompositorisch liebt er, wie bei der Suite „Bat Dancing“, aber auch
neueren Stücken wie „Next Day“, lange Spannungsbögen,
dramatischen Ausdruck und Schlüsse wo er fast bis zur
Atemlosigkeit noch eins und noch eins draufsetzt. Immer wieder
durchsetzt mit Zitaten aus dem einen oder anderen Genre. Pfffff! Manch
beeindruckter Zuhörer sitzt dann mit angehaltenem Atem vor der
Bühne – und staunt.